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„Einer der ältesten Vereine im Umkreis“

16.11.2020

Das Jahr 1860: Abraham Lincoln wird Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der TSV 1860 München entsteht – und in Antdorf wird der „Veteranen- und Kriegerverein“ gegründet. Wegen der Corona-Pandemie kann das 160-Jährige heuer zwar nicht gefeiert werden. Erinnern möchte der Verein aber schon an seine Geschichte – und an seine Bedeutung für die Zukunft.


Vermutlich, sagt Bernhard Mangold, waren es Antdorfer, die selbst noch bei den napoleonischen Feldzügen 1809, 1812 und 1815 beteiligt waren, die im Jahr 1860 den „Veteranen- und Kriegerverein“ in ihrem Heimatort gründeten. Mangold, derzeit Schriftführer im Verein, hat viel zur Geschichte der Antdorfer Veteranen geforscht und sogar ein kleines Heft dazu verfasst. Der Großteil der Mitglieder, sagt er, seien in der Anfangszeit „aktiv gediente Soldaten“ gewesen, die in der langen Friedenszeit zwischen 1815 und 1865 ihre Dienstpflicht abgeleistet hatten.

 

Der Krieg 1866 zwischen Österreich und Preußen sowie der Feldzug von 1870/71, bei dem Bayern an der Seite Preußens gegen Frankreich zog, brachte dem Verein neue Mitglieder. Auch deshalb, so Mangold, weil es weder in Iffeldorf noch in Habach einen derartigen Verein gegeben habe. Viele Soldaten und Veteranen aus diesen Orten traten dem Antdorfer Verein bei. „Die Veteranen von 1866 und 1870/71 genossen in der Öffentlichkeit große Wertschätzung. Alle Ämter innerhalb der Gemeinde waren in erster Linie ihnen vorbehalten“, so Mangold.

 

Erste schriftliche Aufzeichnungen findet man ab 1873. Dabei handelt es sich laut Mangold um das Protokoll einer Vorstandssitzung unter Leitung des ersten Vorstands Kaspar Schretter. Auch eine Mitgliederliste sei aus dieser Zeit erhalten. „Der Verein zählte damals elf Vorstands- und Ausschussmitglieder sowie weitere 106 zahlende Mitglieder“, berichtet Mangold. Schon damals habe sich der Verein am gesellschaftlichen Leben des Dorfes aktiv beteiligt: Neben dem jährlichen Veteranenjahrtag seien unter anderem ein Tanznachmittag und eine Christbaumfeier organisiert worden. In den folgenden 40 Jahren teilten sich Kaspar Schretter und Simon Zwinger im Wechsel den Vorsitz.

 

Am Abend des 1. August 1914 – die Schrecken des Ersten Weltkriegs stehen bevor – wird die allgemeine Mobilmachung verkündet. Auch viele Männer aus Antdorf verlassen ihr Dorf. „Im Verlauf einer Woche waren fast alle Männer im Alter von 22 bis 45 Jahren eingerückt und zum Teil schon auf dem Wege zu der sich allmählich bildenden Front“, so Mangold. Von 1914 bis 1918 seien 24 Männer aus Antdorf und Frauenrain gefallen. Ihnen in ihrer Heimat ein würdiges Andenken zu bewahren, das sei in den Jahren nach 1918 eine Hauptaufgabe des Vereins gewesen.

 

Ab 1939 – Nazi-Deutschland begann mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg – habe sich das Vereinsleben dann kriegsbedingt auf die Teilnahme an den „Heldengottesdiensten“ und am Kriegerjahrtag mit Fahnenappell beschränkt. Ab Ende 1942 seien keine Aufzeichnungen mehr erhalten. Mangold weiß jedoch, dass zwischen 1939 und 1945 40 Männer aus Antdorf und Frauenrain fielen.

Die Besetzung Deutschlands durch die amerikanischen Truppen habe nach Kriegsende strenge Anordnungen und Gesetze mit sich gebracht. „Alle politischen oder nationalen Tätigkeiten waren bei Todesstrafe verboten“, so Mangold. Die in dieser Hinsicht einschlägigen Vereine wie Krieger- oder Schützenvereine seien aufgelöst worden. Erst am 14. Dezember 1952 konnten die Antdorfer Veteranen ihre erste Versammlung nach dem Zweiten Weltkrieg abhalten. „Anfangs war das Interesse aber nicht besonders groß“, sagt Mangold. 1953 seien im Protokoll zur Versammlung beispielsweise nur 38 anwesende Mitglieder verzeichnet.

 

„Die wiedergegründete Kameradschaft hatte sich als Hauptaufgabe die Erstellung eines würdigen Denkmals für die Gefallenen und Vermissten vorgenommen“, so Mangold. Deshalb sei das Kriegerdenkmal von 1923 umgestaltet und 1956 feierlich eingeweiht worden. Viele Namen sind darauf in Stein gemeißelt. 1960 feierte der Verein sein 100-jähriges Bestehen. „Damit ist er einer der ältesten Vereine im Umkreis“, sagt Mangold. Weil es aber wenige Mitglieder waren und die Vereinskasse leer war, gab es keine große Feier.

 

1970 wurde Michael Schweiger Vorsitzender, er sollte es 33 Jahre bleiben. In seine Ära fiel die Umbenennung des Vereins in „Veteranen- und Reservistenverein Antdorf-Frauenrain“ zwei Jahre später. Langsam stiegen auch die Mitgliederzahlen und erreichen 2009 einen Rekord von 215 – darunter längst nicht mehr nur Veteranen, sondern auch Zivildienstleistende. „In Antdorf ist man beim Veteranenverein einfach dabei. Der Verein ist ein wichtiger Bestandteil des Dorflebens und steht für Zusammenhalt und Traditionspflege.“ Das sagte der damalige Bürgermeister Paul Frech bei der 150-Jahr-Feier 2010. Diese Aussage gelte bis heute, sagt Mangold. Wichtig sei den aktuell 197 Mitgliedern, die Erinnerung an die vielen Antdorfer wachzuhalten, die im Krieg ihr Leben ließen. Denn nur, wenn man die Gräuel der Vergangenheit nicht vergisst, könne man sich davor in der Zukunft schützen.

 

Feierlichkeiten

Der für den 21. November geplante Jubiläums-Veteranenjahrtag zum 160-Jährigen muss corona-bedingt entfallen. Alle anstehenden Ehrungen werden auf nächstes Jahr verschoben.

 

Quelle: Penzberger Merkur